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Tanzmariechen und flotte Sprüche

Augustendorf feierte Karneval
Von Christa Neckermann

Augustendorf. Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben. Besonders dann, wenn es um Parkplätze zur großen Prunk- und Schunkelsitzung bei dem Augustendorfer Karnevalsverein geht. Rund um die Gaststätte „Zum Huvenhoop“ waren alle Stellplätze belegt, man drängelte sich gar St0ßstange an Stoßstange am Straßenrand.
Das ließ auf gemütliche Enge im Veranstaltungsraum schließen. Und tatsächlich waren hier Gartenzwerge, Ölscheichs, Dirndl-Damen und allerlei fröhlich kostümiertes Volk mit dem „gemeinen Augustendorfer“, dem unkostümierten nämlich, in trauter Runde vereint. „Alles ausverkauft“, sagt die Bedienung am Tresen bestimmt, aber am Presseplatz ist noch ein winziges Eckchen frei – zum Glück. Von hier aus, gleich neben der Bühne, lassen sich die Vorträge ebenso problemlos verfolgen, wie auch das Publikum beobachten.
Und es gab einiges zu sehen. Die Veranstalter hatten wieder einen bunten Korb karnevalistischen Konfettis zusammengerührt und als Frohsinn unter das Publikum verteilt. Schon mal sehr edel, der Einmarsch der Honoratioren unter Begleitung des Spielmannszugs. Dann ließ es sich Vereinspräsident Heinz Ukena nicht nehmen, den Anwesenden die neuen Gardekostüme vorzustellen. Rot dominiertes Weiß, mit schwarzen Paspeln abgesetzt, dazu ein roter Hut mit frecher weißer Feder – so präsentierten sich die jungen Damen auf der Bühne. Ihr eigens eingeübter Gardetanz erfreute das Publikum und riss es zu einem ausgiebigen Applaus und dreifach donnerndem „A-HOI!“, dem karnevalistischen Schlachtruf der Augustendorfer, hin.
Dirk Bülow kommt aus Hamburg, ist HSV-Fan und Musiker, der genau weiß, wie er sein Publikum zu nehmen hat. Er weiß aber auch, was sein Publikum leisten kann, und so hatte er genau jene Songs im Gepäck, die das Publikum spätestens ab der zweiten Note selbst mitsingen konnte. Wie bei „Country Roads“ von John Denver, zum Beispiel. Sein Publikum enttäuschte ihn nicht, alle der von ihm angespielten Lieder wurden umgehend erkannt und aus vollstem Halse unter der Weiß-Rot-Silber dekorierten Saaldecke mitgesungen. „Egal was ihr mitsingt, irgendetwas passt immer“, hatte Dirk zuvor sein Publikum ermuntert. Er selbst steuerte seine Version der „Vogelhochzeit“ bei, der er einige bisher ungenannte Gäste hinzugefügt hatte. Den Raben, um nur ein Beispiel zu nennen. Da musste der Reim natürlich lauten „Der Rabe, der Rabe, der trägt die Braut zu Grabe…“. Auch dem Specht war eine kurze Zeile gewidmet worden, ganz kurz, natürlich, denn dem Specht, dem war schlecht…
Auf jeden Fall jedoch sorgte diese neue Variante der Vogelhochzeit für viele amüsierte Lacher im Saal.
Irgendwie hatte die Technik wohl den Tatendrang von Dirk Bülow unterschätzt, und so drohte er mehrmals, seine technische Lifeline zu verlieren, bis man ihm kurz vor Ende seiner Darbietung mit einem Verstärkerkabel versorgen konnte, das mindestens noch fünf Meter über den Bühnenrand hinaus gereicht hätte. Damit versehen klappte es auch gleich besser mit seiner Show, und er musste nicht immer von besorgten Narrenhänden aus dem vorderen Bühnenbereich zurückgeholt werden.
Einen eher merkwürdigen Blick auf die Tätigkeit eines Schornsteinfegers eröffnete Sottje dem Publikum, stilecht in Schornsteinfegerkluft und rußgeschwärzter Nase erzählte er aus seinem Arbeitsalltag. „Ich habe nichts Besonderes vorbereitet, aber wenn wir uns alle anstrengen, kriegen wir die Zeit gemeinsam schon rum…“ Es war ganz klar: Sottjes Chef hatte es mit dem Schwerenöter auch nicht gerade leicht! Dem Publikum gefiel es jedoch.
Seine Hoheit Prinz Steffen und Ihre Lieblichkeit, Prinzessin Jana sahen nicht nur prunkvoll und lieblich aus, sie brachten auch die Bühne zum Strahlen. Prinz Steffen erinnerte seine närrischen Untertanen daran, dass Frohsinn an diesem Abend Pflicht sei, man doch gesittet den Getränken zusprechen, und auch kein hübsches Mädchen ungeküsst lassen möge. Mit einem dreifach donnerndem „A-HOI!“ gelobten die Untertanen, sich an diese maßvollen Regelungen zu halten.
Dann schwebte Tanzmariechen Samira Prigge auf die Bühne und bezauberte das Publikum mit einer Solodarbietung, die streckenweise schon an Kontorsionsartistik erinnerte. Überschläge, Spagat und hochgereckte Beine dominierten diese minutenlange Kür. Kein Wunder, dass der Teenager mit einem großartigen Applaus für ihre Darbietung geehrt wurde.
In diesem Jahr übernahm Dr. Marco Moormann die Bühne als Huvenhoopssenator. Der Parlamentarier, der für die CDU im Hannover’schen Landtag sitzt, zeigte, das kluge Narretei auch in der Politik gut ankommt. In seiner selbstgedichteten „Büttenrede“ nahm er denn auch die Geschehnisse auf der ganz großen Narrenbühne Politik ein wenig unter die Lupe.
Es lässt sich nicht leugnen. Die Augustendorfer haben im Moor gegraben und sind dabei auf Karnevals-Gold gestoßen. Mit einem soliden Bühnenprogramm und schönen, handgearbeiteten Darbietungen stehen sie den großen Veranstaltungen in Köln, Düsseldorf und Mainz in nichts nach. A-HOI!