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Kampf für die Schwächsten

Budo Sportler mit Herz sammelten sagenhafte 14.000 Euro
Von Christa Neckermann

Osterholz-Scharmbeck. Im Mittelalter waren es die Ritter, deren ritterliche Pflicht es war, sich für die Rechte der Schwächsten in der Gesellschaft einzusetzen. Solche Ritter gibt es auch heute noch, doch sie kommen weder in strahlender Rüstung daher, noch benötigen sie ein Pferd, um sich von Ort zu Ort zu bewegen.
Sie tragen eher schwarze Budo-Kampfanzüge, sind auch mal tätowiert und fahren in ganz gewöhnlichen Kraftfahrzeugen durch die Gegend. So wie Marco Gevatter, der seit vielen Jahren erfolgreich Budo betreibt. Budo bedeutet in etwa „Weg des Kampfes“ und bildet den Oberbegriff über alle japanischen Kampfkunstarten wie etwa Aikido, Hapkido, Jiu Jitsu, Judo Karate und Taekwondo, die – im Gegensatz zu den traditionellen Bujutsu-Kriegskünsten – außer der Kampftechnik noch eine „innere“ Do-Lehre oder Do-Philosophie beinhalten.
Den „Budo-Sportlern mit Herz“, der von Marco Gevatter 2015 gegründeten Initiative geht es vor allen Dingen um den Schutz der Kinder. „Jeden Tag werden etwa 12 Kinder von ihnen nahestehenden Personen krankenhausreif geschlagen. Darüber müssen wir informieren und die Kinder vor solchen Übergriffen schützen“, sagt Gevatter am Rande des Benefiz-Events in der Sporthalle der berufsbildenden Schulen in Osterholz-Scharmbeck. Während unten in der Halle Budo-Meister, die aus ganz Deutschland nach Osterholz-Scharmbeck gekommen sind, um ihre Kampfkünste publikumswirksam vorzustellen, den Kids Tipps in ihren Kampfsportdisziplinen geben, sitzt Gevatter oben gemeinsam mit Rainer Rettinger vom Deutschen Kinderverein e.V. Alle Spendengelder, die an diesem Tag in der Halle eingenommen werden, gehen direkt und ohne Abzüge an den Deutschen Kinderverein e. V. „Es ist großartig, was diese Kampfsportler hier für uns tun“, sagt Rettinger. Ihn beeindruckt besonders, dass diese Initiative „Budo-Sportler mit Herz“ eigens zur Unterstützung des Deutschen Kindervereins gegründet wurde.
Durch die Budo-Sportarten lernen die Kinder Sozialverhalten, es ist ein Verhaltenstraining, das auch das Selbstwertgefühl steigert. „Die Kinder werden selbstbewusster, sie treten anders auf. Auch das reicht manchmal schon, sie vor Übergriffen zu schützen“, weiß Rettinger. „Aber Sporttraining allein reicht nicht. Um alle Kinder zu schützen, müssen Schulen und Jugendämter stärker einbezogen werden. Wer ein misshandeltes Kind sieht und nicht tätig wird, macht sich unter Umständen der unterlassenen Hilfeleistung schuldig“, mahnt Rettinger.
Dabei zieht sich der rote Faden der Kindesmisshandlungen durch alle Gesellschaftsschichten. „Die Oberschicht misshandelt die Kinder eher auf seelischer Ebene, während die Unterschicht, um es einmal so drastisch zu benennen, die Kinder vorwiegend körperlich misshandelt. Das schwächste Glied in der Familie bildet das Ventil für den Frust, den die Eltern selbst erleben“, erklärt Rettinger.
Und Frustsituationen gibt es in den Familien immer wieder. Oft tragen die Kleinsten selbst dazu bei, weil sie sogenannte „Schreikinder“ sind, die kaum bis gar nicht zu beruhigen sind. „In solchen Fällen empfehlen wir den Eltern, mit den Kindern eine „Schrei-Ambulanz“ aufzusuchen, wie sie das Zentrum für primäre Prävention (ZePP) in Bremen (www.zeppbremen.de) anbietet. Hier erfahren die Eltern, wie sie mit einem „Schrei-Kind“ umgehen sollen. Die Berater dort klären auch ab, ob es für das Schreien vielleicht eine körperliche Ursache gibt“, erläutert Rainer Rettinger.
Inzwischen sind die ersten Ergebnisse des Spendensammelns eingegangen. Unten in der Halle freuen sich die Sportler aller Altersgruppen über den gelungenen Nachmittag und ihre Erfolge. Oben aber staunen die Verantwortlichen: Zu Beginn der Veranstaltung befanden sich bereits 4.000 Euro in der Spendenkasse – dazu kamen an diesem Nachmittag weitere 10.000 Euro, sodass Rainer Rettinger stolze 14.000 Euro für seinen Deutschen Kinderverein mitnehmen kann.
„Mit diesem hervorragenden Ergebnis haben wir nicht gerechnet“, strahlt Janine Girth, die als Pressesprecherin und ehrenamtliche Spendensammlerin für die Bodo-Sportler mit Herz tätig ist. Auch Landrat Bernd Lütjen und Bürgermeister Torsten Rhode, die beide die Sportveranstaltung eröffnet hatten, haben zu diesem großartigen Ergebnis beigetragen. Aber der Dank der Veranstalter gilt auch den Kreditinstituten, der Barmer, den Osterholzer Lions, den Veranstaltern des „Burning Q“ und, nicht zuletzt, dem Imbiss von Inge Mehrtens, die die Einnahmen aus dem Verkauf von Würstchen und Pommes vollkommen uneigennützig in den Dienst der guten Sache stellte.

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