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Cembalo, Percussion und ein Alphorn

Tag der offenen Tür in der Kreismusikschule Osterholz
Von Christa Neckermann

Osterholz-Scharmbeck. „So, leg‘ mal deine Finger auf diese Tasten, der Daumen muss hierher…“ Gehorsam legte Dominik seine Finger auf die Tasten des kleinen, 40 Bass-Akkordeons, genauso, wie Lehrerin Mariska Nijhof es ihm vorgemacht hatte. „Und jetzt drück‘ mal die Tasten“, bat Nijhof, und machte vor, was Dominik nachmachen sollte. Der Achtjährige begriff schnell und hat die Notenfolge im Nu drauf. „Toll machst du das, sehr gut!“ lobte Nijhof und forderte weiter Tastengriffe ab. „Jetzt gehst du mit dem kleinen Finger eine Taste weiter als eben – ja genau, so! Und die Taste daneben dann gleich dreimal drücken…“ Plötzlich erkannten Dominiks Mutter und die Umstehenden, was Dominik hier gerade lernte, nämlich „Alle meine Entchen“. „Super hast du das gemacht, ich bin richtig begeistert“, lobte Nijhof den kleinen Musikanten, der am Tag der offenen Tür in der Kreismusikschule zum ersten Mal ein Akkordeon in der Hand hatte. Auch Dominiks Mutter war verblüfft und begeistert. „Das hätte ich nicht gedacht, dass er das so gut hinbekommt!“ Vorsichtshalber lagen im Zimmer schon alle nötigen Anmeldeformulare bereit, auch die Informationen über die Kursgebühren und mögliche Förderungen sind darunter. „Wir sind auf alles vorbereitet“, sagte Schulleiterin Christa Piater schmunzelnd.
Aus den Unterrichtsräumen auf Gut Sandbeck drangen nicht nur wohlgesetzte Akkordeontöne, im Untergeschoss interessierte sich die fünfjährige Lenja für das Geigenspiel. Henrike Gosch reichte ihr eine Vierteilgeige (nein, sie wurde nicht zersägt, sondern ist nur ein Viertel so groß wie die Geige eines Erwachsenen) und zeigte Lenja, wie die Geige zwischen Schulter und Hals eingeklemmt wird. Dann durfte Lenja mit Hilfe der Lehrerin zum ersten Mal den Violinbogen über die Saiten streichen – das klang sogar schon recht gut. „Willst du das mal allein versuchen?“ Lenja nickte schüchtern und legte los. „Das ist wie ein Bus – fahre mal mit dem Bogen genau hier gerade zwischen Steg und Hals durch, da sitzen die Töne“, ermunterte Henrike Gosch. Als Lenja die kleine Geige zurückgab, war sie ganz stolz. „Es fühlte sich schön an, Geige zu spielen“, berichtete sie etwas schüchtern ihrer Mutter.
Von dem Tag der offenen Tür im „House of Music“, dem Haus der Musik, war Gosch sehr angetan. „Wir haben hier heute eine Menge begabter Kinder gesehen, die keine Scheu vor den Streichinstrumenten hatten. Unser Cello, die Kinderbratsche und auch die winzige Achtelgeige für die ganz Kleinen wurden gut in Anspruch genommen“, berichtete sie begeistert.
Gegenüber im Obergeschoss der Scheune drangen Töne aus einem Raum, die stark an einen verendenden Drachen erinnerten. Wer dann die Treppen hinauf eilte um zu sehen, ob noch etwas zu retten war, fand ein kleines Mädchen mit hochrotem Kopf vor, das mächtig in eine Trompete blies. Und ihr so ganz erstaunliche Töne entlockte. Immer, wenn Papa ihr das Instrument abnehmen wollte, forderte sie „Noch mal!“ Und blies. Und grinste dann verschmitzt.
„Darf ich mal die Tuba spielen?“ Der achtjährige Tom war gerade mal einen Kopf größer als das Instrument, das ihm Matthias Wulff hinhält. Tief holte Tom Atem, doch der Ton löste sich recht klar aus dem Instrument. „Das ging ja schon recht gut!“ ermunterte Wulff, und Tom strahlte. „Du bist jetzt Tubist“, versicherte Wulff dem Jungen, der sich inzwischen schon mal auf dem Tisch die ausgebreiteten Instrumente anschaute, mit denen Wulff in der Kreismusikschule die Kinder unterrichtet. Da lagen eine Trompete, auch eine winzige Piccolo-Trompete, wie sie auch der berühmte Trompeter Maurice André spielte, bei dem Wulff ein Aufbaustudium absolvierte. Dann war da noch eine Posaune, eine Bassposaune ein Waldhorn und ganz hinten auf der Fensterbank lag gar ein im flachen Norden eher ungewöhnliches Blasinstrument, ein Alphorn. „Das möchte ich gern einmal ausprobieren“, meinte einer der Väter, der mit seinem Kind zum Tag der offenen Tür gekommen war. Er ist selbst Musiker und nutzte natürlich die Gelegenheit, einmal ein paar andere als die ohnehin vertrauten Instrumente zu probieren. Leider war das passende Mundstück für das Alphorn nicht greifbar, sodass sein Wunsch nicht in Erfüllung ging.
Früher am Tag hatten die Lehrkräfte für die Kinder und Eltern Bärengeschichten mit den ausgestellten Instrumenten vorbereitet. „Was erlebt der Bär“, wobei gemalte „Bärentatzenabdrücke“ die Kinder von Station zu Station führten. Die Tatzenabdrücke leiteten die Gäste auch wieder zurück in die große Scheune, wo um 17 Uhr das Abschlusskonzert unter dem Motto „Bach“ und unter Leitung von Utz Weißenfels stattfand.
Er hatte auf der Bühne Flöten, Geigen, Gitarren, Akkordeons, Blechbläser, Vibraphon, Klavier, Orgel, Schlagzeug, E-Gitarre, E-Bass und Marimbaphon versammelt, die alle gemeinsam Werke von Johann Sebastian Bach spielten. „Wir haben hier bestimmt eine Menge Jahrhundert-Komponisten hervorgebracht, Mozart, Beethoven und andere, aber ich glaube, dass man Bach durchaus als Jahrtausendkomponisten bezeichnen könnte“, erklärte Weißenfels in seiner kleinen Ansprache. „Kein anderer Musiker hat die nachfolgenden Komponisten so beeinflusst wie er – sogar noch bis in unser Jahrhundert hinein. Als Beispiel dafür nannte Weißenfels die Gruppe Procol Harum, deren Erfolgssong 1968 „A Whiter Shade of Pale“ auf einem Bach-Präludium basiert. Welche Überraschungen so ein Tag der offenen Tür doch bereithält…

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