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Torfschute, Bullenschiff und warum die Torfkahnsegel wirklich braun sind

Das Museum für Schifffahrt und Torfabbau der Museumsanlage hat’s in sich
Von Christa Neckermann

Osterholz-Scharmbeck. Die Museumsanlage in Osterholz-Scharmbeck umfasst vier Ausstellungsorte auf einem Gelände. Das Heimatmuseum, ein Mittmachmuseum, das Norddeutsche Vogelmuseum und das Museum für Schifffahrt und Torfabbau. Die Gebäude stehen auf dem Gelände des ehemaligen Wirtschaftshofs des Klosters Osterholz.
Hier erwartet Jürgen Christian Findorff – ah, nein, Matthias Mahnke, der sich sowohl in der Uniform der Adolphsdorfer Torfschiffer als auch dem Anzug des Moorkommissars Findorff wohlfühlt, die Gäste, wenn er mit ihnen eine Tour durch die Museumsanlage oder das Schifffahrtsmuseum unternimmt.
Mahnke ist in der Geschichte des Schifffahrtmuseums wohl bewandert, und er ist ein guter Erzähler. In den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts, so erzählt er, begann eine Rückbesinnung auf den Heimatschutz und die Schätze, die der Landkreis zu bieten hat. Zu dieser Zeit etwa entstand an einem Stammtisch in Adolphsdorf die Idee, einen Torfkahn nachzubauen und ihn als Touristenattraktion im Landkreis zu verwenden, sagt Mahnke.
„Ihr wollt einen Torfkahn haben? Neben unserem Land liegt einer im Graben, wenn ihr den ausbuddelt, braucht ihr keinen nachbauen“, meinte damals Jan Daniel Wellbrock, der im Teufelsmoor sein „Café zum Brinkhof“ betreibt.
Eine erste Begehung ergab tatsächlich, dass dort an einem Graben die Spanten eines Bootes aus der Erde ragten. Und als die angehenden Torfschiffer eifrig nachgruben, entpuppte sich der vermeintliche Torfkahn als eine zwanzig Meter lange, vor langer Zeit gesunkene Torfschute, die auf den Kanälen durch das Teufelsmoor für große Lastentransporte genutzt wurde.
Radio, Fernsehen und die Denkmalschutzbehörde wurden auf den Fund im Moorkanal bei Bargschütt aufmerksam. Nachdem die Schute geborgen war, wurde sie über mehrere Jahre in einem großen Tauchbecken konserviert, ähnlich wie die alte Hansekogge im Deutschen Schifffahrtsmuseum in Bremerhaven.
Die Schute fand dann ihren jetzigen Ruheort in einer Scheune, die 1985 von ihrem ehemaligen Standort, einer Hofanlage in Ritterhude, nach Osterholz-Scharmbeck umgesetzt worden war. Das ehemalige Tauchbecken der Schute dient heute als Präsentationsanlage für die Schute.
So mussten die Adolphsdorfer Torfschiffer doch noch in Eigenarbeit ihre Torfkähne herstellen, denn der vermeintliche Torfkahn lag ja nun als Torfschute im Konservierungsbecken. Als Muster diente den Adolphsdorfern dabei ein eichener Torfkahn, den eine Familie dem Osterholzer Schifffahrtmuseum spendete. Dieser Torfkahn befindet sich nun auf dem Gebälk über der Schute in der Museumsscheune und legt Zeugnis darüber ab, unter welch beengten Verhältnissen die frühen Moorbauern die einzigen „Bodenschätze“ dieser mageren Region, den Torf, zu den Torfhandelsplätzen oder nach Bremen schafften.
Vorn im Bug des Torfkahns gab es einen kleinen Raum, der gerade genug Platz für den Torfschiffer und eine winzige Kochstelle bot, auf der der Torfschiffer einen mageren Buchweizenbrei und heißen Tee oder Eichelkaffee zubereiten konnte.
Auch ein „Bullenschiff“ kann im Schifffahrtsmuseum bewundert werden. Das Bullenschiff heißt nicht etwa so, weil damit Bullen befördert wurden, oder es gar die Polizei für Einsätze in den Torfgräben verwendete, sondern die Bezeichnung leitet sich von dem Wort „Bohlen“ her und weist darauf hin, dass dieses Boot aus besonders starken Bohlen gefertigt wurde.
Einen „Entenjäger“ beherbergt das Schifffahrtsmuseum ebenfalls. In dem kleinen Kahn, der leicht und schnell durch die Kanäle glitt und auch im Schilf keine Probleme hatte, ließen sich die Wasservögel einfach beschleichen und als Sonntagsbraten erlegen.
Und auch mit der von der Speeldeel erzählten Sage, warum die Torfkahnsegel braun seien (damit der im Moor lebende Teufel die Torfschiffer nicht sehen und zur Hölle mitnehmen konnte) räumt Matthias Mahnke in seinen Geschichten auf.
„Die Segel der Torfkähne wurden geloht, das heißt, sie wurden mit einem Sud aus Eichenrinde, die in Wasser eingekocht wurde, um die Gerbsäure daraus freizusetzen, getränkt. Da der Sud dunkelbraun war, wurden so auch die Leinensegel eingefärbt.“
Die Museumsanlage in der Bördestraße 42 bietet das ganze Jahr hindurch interessante Vorträge, Führungen und Spaziergänge, Informationen dazu finden sich auf der Website www.museumsanlage-osterholz-scharmbeck.de. Die Museumsanlage mit ihren Exponaten ist darüber hinaus jeden Sonnabend und Sonntag von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Für Rückfragen kann die Museumsanlage Montag bis Freitag von 9.30 bis 12.30 Uhr unter der Telefonnummer 04791/13105 erreicht werden, oder per Email unter info@museumsanlage-osterholz-scharmbeck.de