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Fataler Fehler mit Langzeitwirkung

Internationale NACOA-Aktionswoche weist auf Auswirkungen von Alkohol auf das Ungeborene hin
Von Christa Neckermann

Osterholz-Scharmbeck. Schon 1973 hatte Udo Jürgens in seinem Lied „Der Teufel hat den Schnaps gemacht“ erkannt, dass Alkohol nichts für Männer ist. Noch weniger ist Alkohol aber etwas für Frauen – vor allen Dingen während der Schwangerschaft. Dann trinken nämlich zwei Lebewesen – die Mutter und ihr ungeborenes Kind. „Wenn eine Frau in der Schwangerschaft abends ein Gläschen Sekt trinkt, ist sie kaum betrunken, ihr ungeborenes Kind hingegen ist erst nach acht Stunden wieder nüchtern“, sagte Angelika Meurer-Schaffenberg von der Fachstelle für Sucht und Suchtprävention im Diakonischen Werk.
Beginnend am kommenden Sonntag, 10. Februar, beteiligt sich die Fachstelle bis 16. Februar an der internationalen Nacoa-Aktionswoche für Kinder aus Familien mit suchtkranken Menschen. „Nacoa“ steht für „National Association of Children of Addicts“ (Nationale Gesellschaft von Kindern von [Sucht-]Abhängigen). Regional wird es dazu am 13. Februar einen Fachtag des Netzwerkes Frühe Kindheit in Kooperation mit dem Familienservice des Landkreises geben, weiterhin bietet die Buchhandlung schatulle in der Bahnhofstraße einen Büchertisch mit Büchern an, die sich mit dem Thema Alkohol in der Schwangerschaft beschäftigen, und auch in der Stadtbibliothek steht ein entsprechend vorbereiteter Thementisch für Interessierte bereit.
„Das Problem ist, dass Alkohol in unserer Gesellschaft einfach dazu gehört“, sagte Heidrun Michaelis von den Guttemplern, die ebenfalls im ausrichtenden Arbeitskreis Sucht im Landkreis Osterholz organisiert sind. „Allerdings gibt es bei Alkohol keine unbedenklichen Mengen – gerade in der Schwangerschaft. Bereits vor Jahren haben wir in Zusammenarbeit mit dem BKK Bundesverband eine Broschüre „Kind trinkt mit“ herausgebracht, in der wir auf die Gefahren für das ungeborene Kind durch den Alkoholkonsum der Mutter hinweisen“, erklärte sie.
Egal, ob es das gepflegte Weinchen zum exklusiven Dinner ist, oder „nur“ ein kleiner Sekt zu Silvester oder ein Radler zur Grillwurst – frau muss nicht alkoholabhängig sein, um ihr ungeborenes Kind zu schädigen. Das fetale Alkoholsyndrom (FASD) mit seinen unterschiedlichsten Ausprägungen trifft sie alle. Die dadurch eintretenden mentalen, emotionalen und, manchmal, physischen Folgen machen im Grunde eine lebenslange Betreuung, beziehungsweise Begleitung, dieser Kinder nötig. Schon kleine Mengen Alkohol können auf das spätere Verhalten und die körperliche Verfassung der Kinder Auswirkungen haben. „Das schlimmste ist, dass dieses Syndrom zu einhundert Prozent vermeidbar ist!“, bekräftigte Meurer-Schaffenberg. Auch wenn nur wenige Kinder das Vollbild des FASD entwickeln, so haben doch fast alle Hirnschädigungen und viele zeigen ein auffälliges Sozialverhalten. „Hier funktioniert dann auch die pädagogische Erziehung nicht mehr“, weiß die Fachfrau. FASD ist auch der häufigste Grund für geistige Behinderungen und ist nicht heilbar. „Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene mit FASD müssen nicht härter für etwas arbeiten, aber anders“, sagte Angelika Meurer-Schaffenberg. „Wenn man es einem Kind hundertmal gesagt hat, und es immer noch nicht versteht, dann ist es nicht unbedingt das Kind, dass der schwache Lerner ist…“
In der Broschüre der Drogenbeauftragten der Bundesregierung werden einige gängige Auswirkungen von FASD beschrieben. Hat das Kind Schwierigkeiten, seine Hausaufgaben zu machen? Dann sieht es für die Lehrer oder Eltern vielleicht so aus, als wäre das Kind faul oder verantwortungslos. In Wahrheit jedoch stellt sich die Situation für das Kind vielleicht ganz anders dar: Es hat die gestellte Aufgabe möglicherweise gar nicht verstanden. In der Schule dachte das Kind vielleicht, dass es die Aufgabe schafft, zuhause war die Aufgabe dann doch schwerer. Oder das Kind hat vergessen, welche Hausaufgabe es aufbekommen hat. Möglicherweise ist es dem Kind auch peinlich, oder es hatte Angst, jemanden um Hilfe zu bitten.
Die Umwelt sollte solche Signale zum Anlass nehmen, eine mögliche Schädigung durch FASD in Erwägung zu ziehen.
In Deutschland ist genau festgelegt, wie FASD erkannt werden kann. Ein Team aus mehreren Fachleuten erstellt eine FASD-Diagnose und recherchiert dafür über das Leben des Betroffenen und die Schwangerschaft der Mutter. Dazu kommt eine Reihe von Tests und Begutachtungen. Mehr Informationen zum Thema FASD gibt es unter www.fasd-deutschland.de im Internet.

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