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„Mitten im Leben…“

Neuntklässler der IGS beschäftigen sich mit Sterben und Tod
Von Christa Neckermann

Osterholz-Scharmbeck. „…tritt der Tod an uns heran.“ Dieser Spruch wird gern verwendet wenn es darum geht, den Freunden und Bekannten den unerwarteten Tod eines geliebten Menschen mitzuteilen. Doch was ist Sterben, wie geht Tod? Die Neuntklässler der IGS Buschhausen gehen schon seit vielen Jahren im Fach Religion/Werte und Normen dieser Frage nach. Zum zweiten Mal allerdings in Form einer Projektwoche, die an diesem Freitag mit einer Präsentation ihrer Arbeiten auch wieder für ihre Mitschüler interessant wurde.
„Das zentrale Ziel der Projektwoche ist, Tod und Sterben aus der Tabuzone der Sprachlosigkeit herauszuholen“, sagte Andrea Winzek, Religionslehrerin und Leiterin der Fachkonferenz Religion/Werte und Normen. „In den vergangenen Jahrzehnten hat der moderne Mensch West- und Mitteleuropas das Sterben und den Tod zunehmend aus seinem alltäglichen Leben verbannt. Sterben und Tod findet meistens in Krankenhäusern, Pflegeheimen und Hospizen statt, nur noch in den seltensten Fällen zu Hause im Kreis der Familie.“
Was ist Tod, wie geht Sterben – damit beschäftigten sich die 14, 15-jährigen Schülerinnen gemeinsam mit Pastor Eckard Gering, Gemeindepastor von St. Willehadi, mit der Notfallärztin Christina Köhne und Andrea Bausch vom Hospiz Lilge-Simon-Stift in Bremen Nord. Dabei stellte sich heraus, dass manche der Jugendliche auch schon eigene Erfahrungen mit Tod und Verlust gemacht hatten. „Ich war erstaunt, wie erwachsen und mit welcher Sensibilität unsere Schüler zum größten Teil an dieses Thema herangingen“, bewunderte Andrea Winzek.
In der Projektwoche besuchten die Schüler unter anderem einen Bestatter in Bremen, der auch Bestattungen nach moslemischen Riten durchführt, sie ließen sich im „Anderland“ über die Arbeit mit trauernden Kindern und Jugendlichen aufklären oder hörten von Pastor Hans-Jürgen Bollmann mit welchen Sorgen und Nöten es die Hinterbliebenen oder Helfer in der Notfallseelsorge zu tun bekommen. Ihr Weg führte sie dabei ebenso in einen Trauerraum wie auf den Scharmbecker Friedhof.
In kurzen, etwa zehnminütigen Präsentationen fassten die Jugendlichen ihre Erkenntnisse zum Thema Tod und Sterben zusammen. Etwa, was unter Nahtoderfahrungen und Totenbettvisionen zu verstehen ist. Darüber hatten sich Jan, Marek, Nico, Finn und Aaron informiert und ihre Gedanken in einer geschickten Präsentation dargestellt. Timo, Marc, Mehdi und Fahad hatten sich unter ihren Schulkameraden umgehört und eine Jahrgangsübergreifende Umfrage in allen „B-Klassen“ der IGS gestartet. Sie fragten unter anderem, „Hast du Angst vor dem Tod“, und “Denkst du, es gibt noch ein Leben nach dem Tod?“. Dreiviertel der befragten Schüler verneinten dabei, Angst vor dem Tod zu haben und knappe 60 Prozent bekannten, an ein Leben nach dem Tod zu glauben.
Angelina, Judith, Kira und Lara hatten „Anderland“ besucht und berichteten über die Einrichtung in Osterholz-Scharmbeck, die sich besonders um trauernde Kinder zwischen 2 und 18 Jahren kümmert, die die Einrichtung im Schnitt zwischen einem und vier Jahren besuchen.
Catharina, Jannes, Louis, Marvin und Robert hatten sich mit dem Thema „Tod im Film“ auseinandergesetzt und mittels der Filme „Die Hütte“, König der Löwen“, „The Purge“ und „Wenn du stirbst, zieht dein ganzes Leben an dir vorbei, sagen sie“ auch die Auswirkungen des Todes auf die Protagonisten und deren Umwelt unter die Lupe genommen.
Religionslehrerin Christina Harder und Werte und Normen-Lehrer Sören Lepszy konnten mit den erarbeiteten Ergebnissen ihrer Schülerinnen und Schüler viel Ehre einlegen. Ihre Schülerinnen und Schüler hatten gezeigt, dass Trauer ebenso individuell wie das Sterben ist. Egal, ob man den Verlust beweint oder das Leben feiert – irgendwie, irgendetwas geht weiter.

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