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„Zeigen, was Pflege leisten kann…“

Pflegeschüler übernehmen eine Station im Kreiskrankenhaus
Von Christa Neckermann

Osterholz-Scharmbeck. Ein wenig Herzklopfen hatten sie schon, die 32 angehenden Pflegekräfte, die über zwei Wochen lang Station 8 des Kreiskrankenhauses eigenverantwortlich führten. „Schüler übernehmen eine Station“ heißt dieses Konzept, dass die Gesundheitsschule im Kreiskrankenhaus, in dem auch die angehenden Gesundheits- und Krankenpflegeschüler aus den Aller-Weser-Kliniken Achim und Verden, der Klinik Lilienthal und dem Krankenhaus Wittmund ihre fachtheoretische Ausbildung erhalten, durchführt. „Es ist eine hervorragende Praxisübung vor den im Frühjahr anstehenden Abschlussprüfungen“, erläuterte Heidi Hehlmann, stellvertretende Schulleiterin der Gesundheitsschule. Ziel ist es, den angehenden Pflegekräften einen Eindruck über alle auf einer Station anfallenden Arbeiten zu geben, vom Aufstellen eines Dienstplanes und der Beschaffung der benötigten Materialien bis hin zur Betreuung der stationären Patienten.
„Auf der Station 8, Innere Medizin, liegen Patienten mit unterschiedlichen Problematiken – von Pneumonie, Diabetik und Herzkrankheiten bis hin zu Magen-Darm-Blutungen oder Luftnot“, erklärte Tobias Viebrock, Pflegerischer Stationsleiter der Station. Gemeinsam mit vier weiteren festangestellten Pflegekräften der Station diente er als „doppelter Boden“ um sicherzustellen, dass die Auszubildenden nichts übersehen. „In den ersten zwei, drei Tagen geht es etwas hektisch zu“, weiß er aus Erfahrung, „aber sobald alle ihren Platz und ihr Selbstvertrauen gefunden haben wird die Arbeit zum Selbstläufer. Und dieser Jahrgang war ein besonders leistungsstarker“, lobte er das Team, das Mareike Wohne von den Aller-Weser-Kliniken in Verden als Stationsleiterin betreute.
„Man bekommt auch mehr Respekt vor der Arbeit einer Stationsleitung“, resümierte die junge Frau, die sich um die Position als Stationsleiterin genau wie im richtigen Leben mit einer aussagefähigen Bewerbung bemühen musste. Zwar verfügte die Station mit den Gesundheits- und Krankenpflegeschülern über deutlich mehr Personal als andere Stationen, doch auch hier warfen unerwartet auftretende Krankheitsfälle die sorgsam ausgetüftelten Dienstpläne über den Haufen und verlangten nach umgehender Nachbesserung.
Doch die positiven Aspekte überwogen. „Durch die sehr gute personelle Ausstattung der Station konnten wir einmal zeigen, was gute Pflege heutzutage leisten kann“, berichtete Tobias Viehbrock. Die Station mit 31 Betten war mit 30 Patienten über die gesamte Dauer der Stationsübernahme gut belegt, trotzdem konnten die jungen Leute einen Patienten, der bettlägerig und inkontinent eingeliefert worden war, dank intensiver Betreuung, Mobilitäts- und Toilettentraining wieder selbstständig entlassen. Die jungen Leute hatten Gelegenheit, ganz praxisnah auch mit Ärzten, Physiotherapeuten oder labormedizinischem Personal zusammenzuarbeiten, was in der Regelausbildung so intensiv nicht stattfinden kann. Auch die regulär auf Station eingesetzten Auszubildenden des ersten und zweiten Ausbildungsjahres profitierten von dem Mehr an Personal: Die Praxisanleiter aus dem dritten Ausbildungsjahr hatten mehr Zeit, sich um ihre eigenen Nachfolger zu kümmern.
„Wir haben gesehen, was wir tatsächlich alles schon draufhaben, aber auch, wo wir selbst noch nacharbeiten müssen, wenn wir demnächst unsere Abschlussarbeiten schreiben“, erklärte Linda Neunaber, die aus dem Krankenhaus Wittmund kommt. „Beim vorbereiten oder der Begleitung einer Visite konnten wir feststellen, ob wir die Zusammenhänge verstehen, das war sehr wichtig“, ergänzte sie.
Pflegedienstleiter Rolf Weiß hatte schon in der Vergangenheit mehrfach erfahren, dass die Patienten selbst am meisten von dem Konzept „Schüler übernehmen eine Station“ profitieren. „Durch die vielen Pflegekräfte auf Station wurde sich besonders gut und schnell um die Patientenbelange gekümmert. Es ist schade, dass wir das nicht immer so leisten können“, resümierte er.
Doch inzwischen nimmt das Interesse am Beruf des Gesundheits- und Krankenpflegers wieder zu. Derzeit werden an der Gesundheitsschule im Kreiskrankenhaus Osterholz 48 junge Damen und Herren aus den vier Krankenhäusern ausgebildet. „Wir unterrichten erstmals zweizügig in unserer Gesundheitsschule!“ freute sich Heidi Hehlmann.