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„Es kann jeden treffen…“

Blutspende und Knochenmark-Typisierung in den berufsbildenden Schulen
Von Christa Neckermann

Osterholz-Scharmbeck. Seit 22 Jahren engagieren sich die Berufsbildenden Schulen als Ausrichter für Blutspenden für das Deutsche Rote Kreuz (DRK), seit 20 Jahren sorgt Carola Wellbrock-Voss mit den Schülerinnen und Schülern der Berufsfachschule Pflege und Hauswirtschaft dabei nicht nur für die immer selbst zubereiteten, Kraft gebenden Leckereien, die die Blutspender im Anschluss an die Spende bekommen, auch die Schülerinnen und Schüler der Pflegeassistenz-Klassen nutzen die Gelegenheit, den Helfern des Deutschen Roten Kreuzes bei der Durchführung der Spende zur Hand zu gehen und dabei gleich erste Erfahrungen in ihrem zukünftigen Berufsfeld zu sammeln.
Die angehenden Spender und Spenderinnen hatten zuvor Besuch von Helfern des Deutschen Roten Kreuzes, die ihnen in den Klassen erklärt hatten, was bei einer Blutspende auf sie zukommt. „Das ist eine sinnvolle Sache“, sagte Elke Böschen, Fachpraxis-Lehrkraft im Bereich Pflege. „Indem wir den Schülerinnen und Schülern angeboten haben, sich eine Blutspende erst einmal anzuschauen bevor sie sich selbst für eine Spende entscheiden, vermeiden wir einen gewissen Druck auf die jungen Leute. Mit Flyern und fachkundigem Rat versehen fiel es den jungen Leuten einfacher, sich erstmals für eine Blutspende zu entscheiden.
Wer es sich dann auf den Liegen in der Aula des Altgebäudes der BBS gemütlich gemacht hatte um etwas von seiner wertvollsten Körperflüssigkeit zu spenden wurde vom Blutspendeteam des DRK, die mit geübter Hand die Nadeln setzen, umsichtig betreut. Das ist besonders bei den Erstspendern wichtig, von denen es viele in den Berufsbildenden Schulen gibt.
Seit einigen Jahren nutzt die BBS auch die Möglichkeit, zusammen mit der Deutschen Stammzellspender-Datei (DSD) die jungen Leute für eine Stammzell-Typisierung zu werben. Dafür ist an diesem Tag extra Theresa Barsch in die Schule gekommen. „Die Deutsche Stammzellspender-Datei ist eine von 26 Dateien, die sich auf die Stammzellspende spezialisiert haben. Die Spenderdaten, das heißt, der Spendername, das Geschlecht und das Geburtsdatum – landen in einer Zentraldatei. Ist ein möglicher Empfänger gefunden, wird die jeweilige Ausgangsdatei informiert, die dann Kontakt mit dem Spender aufnimmt und das weitere Prozedere begleitet, erläuterte Theresa Barsch. „Vor zwei Jahren hat ein junger Mann, der sich hier an der BBS typisieren ließ, sogar über seine Knochenmarkspende einem Menschen das Leben gerettet“, erinnerte sie sich. Und für die Stammzellen-Typisierung war noch nicht einmal eine Blutspende nötig. „Wer sein Blut bei der Blutspende typisieren ließ, hat einfach nur ein weiteres Röhrchen mit ein paar Millilitern Blut abgegeben. Wer sich ohne Blutspende typisieren lassen wollte braucht bei uns nur zwei Wattestäbchen“, erläuterte Theresa Barsch. Die werden einfach in den Mund gesteckt und mehrfach an der Mundschleimhaut gerieben. Dann kommen die Stäbchen in einen Umschlag, der dann in einem Labor geöffnet wird um hier die biologischen Daten des Spenders zu erheben. „Je mehr Menschen typisiert sind, um so größer ist die Chance, den genetischen Zwilling, also denjenigen, der einem genetisch am ähnlichsten ist, zu finden. Bei Leukämie ist nämlich eine Stammzellentransplantation oftmals die einzige Chance auf ein Überleben“, machte Theresa Barsch deutlich.
Besonders freute sich Barsch über die große Spendenbereitschaft unter den Schülern und das Engagement des Landkreises für die Stammzellen-Typisierung. Landrat Bernd Lütjen hatte auf einer Spendenaktion soviel Geld erradelt, dass die heutige Typisierung von diesen Geldern ermöglicht werden konnte.
Nebenan am Tisch waren Jannik, Annalena und Jasmin damit beschäftigt, die Daten der gut einhundert Erst- oder Mehrfachspender aus dem Bereich der Berufsbildenden Schulen aufzunehmen, die sich zu diesem Spendentermin gemeldet hatten und sie auf ihren Weg zur Blutspende zu schicken. Auch sie sind Pflegeassistenten und machten sich hier schon einmal mit dem verantwortungsvollen Umgang mit Patientendaten vertraut.
Tabea, Carina, Kathleen, Kristina, Enny und Janika umlagerten derweil oben eine Klassenkameradin, der es nach der Blutspende nicht so gut ging. „Ich habe wohl vorher nicht genügend getrunken“, gestand die junge Frau, die mit viel Flüssigkeit, warmen Decken und der moralischen Unterstützung durch die Freundinnen wieder auf die Beine kam. Alle sind angehende Erzieherinnen im dritten Ausbildungsjahr und als solche sozusagen von Berufs wegen sehr sozial eingestellt. „Wir haben uns auch alle typisieren lassen“, verriet Janika, „und wir würden auch auf jeden Fall Knochenmark spenden, falls wir dafür in Frage kämen. Es kann schließlich jeden treffen, und da wäre man froh zu wissen, dass es Menschen gibt die bereit sind, einem mit einer Knochenmark-Spende das Leben zu retten“.

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