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Brüten über’s Ei

Nachwuchs für die MINT-Berufe im Landkreis Osterholz gesucht
Von Christa Neckermann

Osterholz-Scharmbeck. Wenn unsere Welt heute vorankommen will, braucht sie Tüftler, die bereit sind, ungewöhnliche Lösungen für Alltagsprobleme zu finden. „Wir suchen nicht die Einser-Schüler, sondern die Begeisterten“, sagte Ausbildungsentwicklerin Sonja Tiedemann von der Industrie- und Handelskammer Stade.
Seit 2014 erweckt sie mit dem Projekt „MINTeresse wecken – MINTalente entdecken“ die Aufmerksamkeit der Schülerinnen und Schüler für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. „Ich bin gelernte Bankkauffrau, aber erst, als ich mich mit einem befreundeten Ingenieur unterhalten habe ist mir bewusst geworden, wofür ich die in der Schule gelernte Mathematik eigentlich gebrauchen kann“, bekannte Tiedemann auf der Auftaktveranstaltung des MINT-Projektes 2019, das in diesem Jahr erstmals im Landkreis Osterholz stattfindet.
Hier haben sich Unternehmen wie Bergolin, FAUN Umwelttechnik, Lubrizol, Nabertherm, die Osterholzer Stadtwerke und die RITAG Ritterhuder Armaturen GmbH bereit erklärt, 15 von ihren Lehrern vorgeschlagenen Schülern des achten und neunten Jahrgangs der KGS Hambergen, IGS Lilienthal, Gymnasium Ritterhude, Gymnasium Osterholz-Scharmbeck und der IGS Osterholz-Scharmbeck einen ersten Zugang in die wunderbare Welt der Technik zu eröffnen.
Torben Hedenkamp, bei FAUN als Leiter der gewerblichen Ausbildung tätig, brachte es auf den Punkt: „Handwerk ist heutzutage hoch spezialisiert. Ohne High Tech-Kenntnisse geht in unseren Werkstätten nichts mehr“.
Doch das ist längst nicht alles. Gesucht sind auch die Tüftler, Querdenker und die mit den kuriosen Ideen. Um den jungen MINT-Praktikanten einen Vorgeschmack auf eventuell anstehende Probleme zu geben, hatte Sonja Tiedemann eine Aufgabe für die jungen Leute vorbereitet. Ein Ei sollte aus drei Metern Höhe auf den Boden fallen, ohne dabei zu zerbrechen. Als erlaubte Baumaterialien hatten die Jugendlichen drei Luftballons, einen kleinen Müllbeutel, eine Rolle Klebeband, zwei Blätter DIN A4-Papier und einen zwei Meter langen Wollfaden zur Verfügung. Außerdem sollte ihr Ei einen Namen erhalten und die gesamte Bauzeit durfte dreißig Minuten nicht überschreiten.
Während sich die fünf Dreier-Gruppen nun ans Überlegen, Tüfteln und Zusammenbauen machten, hatten die begleitenden Eltern, die Firmenvertreter der teilnehmenden Unternehmen und die Lehrer Gelegenheit, die Firma RITAG zu besichtigen, die als Gastgeber der Auftaktveranstaltung für einen interessanten Rahmen gesorgt hatte.
Oben schwitzen Jan Erig Schumacher, Thorben Schnibbe und Marvin Steffens (alle von der IGS Buschhausen) mit den andern zwölf Teilnehmern über ihrer Aufgabe. Luftballons aufblasen – das war schon einmal eine gute Idee. Und dann, wie weiter? Mittels Klebebandes wurden die Luftballons (inzwischen umgetauft in EISS, das Ei bekam den Namen „Jeff“) stabil verbunden. „Jeff“ nahm den Platz in der Mitte ein. Auch Jeff wurde haltbar mit Klebeband in seinem Sitz festgeschnallt und bekam zur weiteren Sicherung einen Aufprallschutz aus zwei Lagen zu einer Ziehharmonika gefaltetem und um 90 Grad versetztem Papier auf den Kopf. Dafür hatten die Drei die vorgegebene Zeit voll ausgeschöpft.
Mit 19 Minuten war die Gruppe, die dem Ei „Kevin“ den Flug aus drei Meter Höhe ermöglichen wollte, am schnellsten gewesen. Auch die Gruppe, die ihr Ei-Flugobjekt kurz „EIns“ genannt hatte, war mit wenig über 20 Minuten schnell. Nur wenig langsamer war die Gruppe, die ihr Ei zuversichtlich das „World Record-Ei“, kurz WRE, getauft hatte, und in 29 Minuten war die „MS Rohei“ startklar gemacht worden. Pünktlich zum Flugtest waren auch die anderen Gäste wieder um die Startrampe, eine große Leiter, versammelt. In umgekehrter Reihenfolge, also die Gruppe mit dem längsten erlaubten Zeitbedarf zuerst, durften nun die Forschungsergebnisse präsentiert werden. Dabei zeigte sich, dass schnell nicht immer am besten ist. Es siegte die Gruppe um das „World Record-Ei“ in 29 Minuten, gefolgt von der EISS, die anderen Gruppen konnten sich leider nur über mehr oder weniger offensichtliches Rührei freuen.
Dafür haben die Jugendlichen jetzt Gelegenheit, sich im Februar bei Lubrizol über Additive für Lacke und Druckfarben zu informieren, im März Einblicke in den Beruf des Zerspanungsmechanikers zu gewinnen und im April in der Lehrwerkstatt bei FAUN die Berufe des Mechatronikers und Konstruktionsmechanikers näher kennenzulernen. Ende April lernen die Jugendlichen bei Nabertherm alles über den Bau elektronischer Schaltungen, im Mai dürfen sie im Labor bei Bergolin zum Thema Beschichtungsstoffe selbst kreativ werden und im Juni erfahren die fünfzehn jungen Leute bei den Osterholzer Stadtwerken, warum Strom grün ist und Gas nicht riecht.

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