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Einer Idee Gestalt gegeben

Kunst-Leistungskurse stellen im Hamberger Rathaus aus
Von Christa Neckermann

Hambergen. „Jeder Mensch ist ein Künstler, sagte Joseph Beuys, ich dagegen sage, jeder Mensch ist kreativ! In Ihren Kunstleistungskursen werden Sie kreativ und fertigen Werke mit anspruchsvollen Vorgaben und Zielen“, sagte Hambergens Samtgemeindebürgermeister Reinhard Kock bei der Eröffnung der Ausstellung „-ion“ im Hamberger Rathaus. Was es mit „-ion“ auf sich hat, erläuterte Kunstlehrerin Kim Triebe, unter deren Leitung die 14 Abiturientinnen des Gymnasiums Osterholz-Scharmbeck und der IGS ihre Arbeiten angefertigt haben.
„Ein Suffix ist in der linguistischen Morphologie eine Anhangsilbe, eine Endung. Die Silbe „-ion“ ist eine der für Substantive am häufigsten verwendeten Suffixe. „-ion“ gehört zu den produktivsten lateinischen Suffixen der wichtigsten europäischen, auf Lateinisch basierenden Sprachen, darunter Deutsch und Englisch“, erklärte Kim Triebe den Titel der Ausstellung. „-ion“ beendet Worte wie „Destrukt-ion“, „Proport-ion“, „Infekt-ion“ oder „Opt-ion“, spannend wird es bei „Abstrakt-ion“, „Funkt-ion“ oder „Präsentat-ion“.
Zunächst mussten sich die angehenden Künstlerinnen mit einer „-ion“ ihrer Wahl auseinandersetzen, die Vorsilben vor der Endsilbe betrachten und dann ein Konzept dazu entwickeln. „Die Themen der Künstlerinnen sind raumgreifend, linear, plakativ, chromatisch, monochrom, intensiv, malerisch, hängend und minimalistisch“, beschrieb Kim Triebe die Ausstellungsstücke, die bis zum 23. März während der Öffnungszeiten im oberen Stock des Hamberger Rathauses zu sehen sein werden.
Die Abiturientinnen nutzten für ihre Arbeiten das im Schulgebrauch relativ neue Verfahren der freien Werkstattarbeit. Herausgekommen sind dabei Zeichnungen und Gemälde, ebenso aber auch Fotografien, Skulpturen oder Installationen.
Wie alle guten Künstler haben die jungen Damen dabei eigene Erlebnisse und Erfahrungen, auch eigene Ängste in ihre Arbeiten einfließen lassen. So, wie etwa Joana Pürwitz, die mit ihrer Arbeit, einem mit Plastikmüll überfressenen Wal, das Thema „Destruktion“ bearbeitete. Die Arbeit aus mit Acryl bemaltem Pappmaché macht auf erschreckende Weise das Ausmaß von Umweltverschmutzung und den Folgen für die Tierwelt in den Ozeanen deutlich, denn die Verschmutzung der Meere mit Plastik stellt uns bereits heute vor große Probleme, die nicht mehr allein nur von einem Land gelöst werden können.
Andere spannende Themen, die die Nachwuchskünstlerinnen aufgriffen, waren „Diskuss-ion“, die zeichnerische Darstellung einer Gesprächsrunde, oder „Explos-ion“, die Aileen Elster in Öl auf Leinwand als eine terrestrische Abrissbirne darstellte, die einer Frau ausdrucksstark gegen den Kopf knallt.
Viel Beachtung bekam auch die Installation von Celina Dadschun, die mit „Verschwörung der Dämonen“ (Depress-ion) eine Plastik aus Bauschaum und Gips geschaffen hatte, die zum Austausch mit dem Betrachter aufforderte. Die einem Rad ähnelnde Plastik versinnbildlichte sehr schön die Problematik einer Depression, sich nicht aus dem „Kreis der negativen Gefühle“ befreien zu können. In einem Tagebuch, das bei der Plastik ausliegt, können die Betrachter anonym ihre Gedanken dazu äußern.
Kunstlehrerin Kim Triebe nannte das in ihrer Laudatio „irritierend und anziehend zugleich“, bei genauerer Betrachtung der Werke erschließe sich die tiefgründige Bedeutung.
Das empfanden die Gäste der Ausstellungseröffnung ebenso, denn vor den Werken entwickelten sich rege Gespräche mit den jungen Künstlerinnen. So hatte es sich auch Samtgemeindebürgermeister Reinhard Kock gewünscht als er darauf hinwies, dass Kunst eine Form der Kommunikation zwischen Kunstschaffenden und Betrachtern sei, die Dinge des Lebens zu sehen.

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