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„Holz macht glücklich!“

Holzauktion beim Interessentenforst Realverband Hambergen
Von Christa Neckermann

Hambergen. Eingeweihte kennen den „Weg zum Glück“, der von der B74 in den Forst Im Windhorn in Hambergen führt. Und die Hartgesottenen unter ihnen waren es, die sich am zweiten Sonnabend im Jahr zur Holzauktion hier einfanden. Ein gemütlich heißes, des Regens wegen knisterndes, großes Holzfeuer spendete all jenen Wärme, die nicht zur Auktion gekommen waren – will heißen, die meiste Zeit loderte es einsam vor sich hin.
Die gut vierzig Auktionsteilnehmer hingegen begutachteten die 40 sauber aufgebauten Holzstapel, die unter den Gummihammer, zum zehnten Mal von Heino Hüncken geschwungen, kommen sollten.
Da gab es Buche, Eiche und einen einzigen Birkenholz-Stapel. „Sieht gut aus“, befand ein Teilnehmer, und inspizierte den Stapel, der mit einem kleinen Schild „Glückspilz“ gekennzeichnet war. „Den Stapel musst du jetzt aber noch liegenlassen, so ist das Holz viel zu nass“, unkte sein Nachbar grinsend.
Inzwischen waren Heino Hüncken und sein Auktionsteam auf der „Ochsentreppe“ erschienen. Launig begrüßte der ehemalige Pastor der Gemeinde Hambergen die Anwesenden. „Nicht so viele hier wie im letzten Jahr, das liegt wohl am Schietwetter“, stellte er fest. „Die Regeln kennt ihr ja. Jeder ab zwölf Jahren darf mitbieten. Den ersteigerten Stapel bitte erst abfahren, wenn die Auktion vorbei ist. Bezahlt wird bei Nadja Torneden und Jens Svendsen, der heute eigens aus Kopenhagen angereist ist. Anke Peper macht unsere Buchführung!“
Der Einstiegspreis liege, wie im vergangenen Jahr auch, bei 21 Euro, geboten werde in 3 Euro-Schritten, wer 5 Euro mehr böte, bekäme eine schöne, kleine Holzplakette. „Die eignet sich zum Anheizen´“, schmunzelte Hüncken.
Dann versammelten sich die Anwesenden um den ersten Stapel. „Lass mal sehen, was haben wir denn da“, fragte Hüncken, und Martin Torneden, der gemeinsam mit Hannes Hinck, Werner Holljes, Matthias Kopp, Joachim Peper, Bernd Ahrens, Heiner Butt und Horst-Dieter Woltmann die Bäume im Wald geschlagen, gespalten und zu adretten Stapeln aufgebaut hatte, murmelte „Eiche“, während er den Hammer an Hüncken reichte. „Ein schöner Stapel, ein wunderbarer Stapel besten Eichenholzes! Seht euch nur dieses Holz an!“, pries Hüncken seine „Ware“ an. „Ich hör‘ ja nichts! Nun mal los hier!“, ermunterte Hüncken die Bieter, die sich, im kalten Regen stehend, vielleicht nach dem heißen Glühwein oder Kaffee sehnten, dessen Duft inzwischen aus dem Zelt über den Platz zog.
Bei einem weiteren Stapel bemerkte Hüncken obenauf kleinere Holzstücke. „Guckt mal, der Stapel kommt mit Kümmerling“, witzelte er. Während alle Bieter und auch die Helfer sich fest in Anoraks und Jacken gewickelt hatten oder sich gar unter Regenschirmen versteckten, eilte Hüncken, unter seiner Prinz Heinrich-Mütze bestens geschützt, fröhlich von Holzstapel zu Holzstapel, pries die Hölzer an, lockte die Bieter in immer höhere Preisregionen, schäkerte mit seinen Kunden und verbreitete derart gute Laune, dass die Bieter tatsächlich bis zum letzten Holzstapel bei ihm blieben. „Ist das jetzt tatsächlich schon der letzte Haufen?“, fragte Hüncken verblüfft, als er zum letzten Mal an diesem Vormittag den Gummihammer niedersausen ließ.
Als jüngster erfolgreicher Bieter ging Marvin vom Platz, er hatte zwei Stapel schönstes Feuerholz für den heimischen Holzofen eingekauft. Elke musste für den Abtransport von zwei Stapeln deutscher Eiche und drei Stapel mit Buchenscheiten sorgen, Jürgen durfte den einzigen Stapel an Birkenholz mit nach Hause nehmen.
Nadja Torneden, eigentlich als Zahlmeisterin unterwegs, ergatterte den „Damenstapel“ auf den nur die weiblichen Gäste bieten durften.
Die Mitglieder des Interessentenforst Realverbandes Hambergen konnten am Ende der Holzversteigerung immerhin gut 1800 Euro erlösen. „Im letzten Jahr war dank einer größeren Beteiligung an Bietern der Ertrag höher“, bedauerte Anke Peper, die gewissenhaft die Stapel und die daraus erlösten Summen notiert hatte. Das Geld wird nun in Absprache mit dem für den Interessentenforst zuständigen Förster in nötige Waldarbeiten, beispielsweise Aufforstungsarbeiten, investiert.
„Im Wald steckt auch viel Arbeit. Die derzeit 15 Anteilseigner können nicht einfach so in den Wald gehen, und hier eigenmächtig Holz schlagen. Das wird alles in Abstimmung mit einem Forstwirt geregelt und gemeinsam beschlossen“, betonte der Vorsitzenden des Interessentenforstes, Joachim Peper.
Und während die einen schon ihre Wagen mit Anhängern zum Abtransport der Holzmengen bereit stellten, versammelten sich die anderen im Zelt um sich hier von Franz und Irmi Lehn, Günther Stehmeyer und Arno Maschmeier mit Heißgetränken versorgen zu lassen um die eiskalten Finger zu erwärmen und dabei Karl-Heinz Bremer zu lauschen, der auf seinem Akkordeon die musikalische Untermalung der Holzauktion beigesteuert hatte. Seit acht Jahren ist er in Hambergen bei der Auktion dabei und unterhält Bieter wie Auktionsteam mit seiner Musik. „Noten brauch ich keine mehr. Ich spiele meine hundert Stücke alle so aus dem Gedächtnis heraus“, verriet er.

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