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Ein Jungbrunnen für die ganze Stadthalle

Tony Christie auf Abschiedstournee in der Stadthalle
Von Christa Neckermann

Osterholz-Scharmbeck. Welch treue Fans Tony Christie in Deutschland hat, zeigte sich wieder bei seinem Konzert in der Stadthalle Osterholz-Scharmbeck. Der Brite befindet sich seit Anfang Januar auf seiner Abschiedstournee durch Deutschland, deren zweite Station gleich Osterholz-Scharmbeck war. „Ich habe im letzten Jahr meinen 75. Geburtstag gefeiert und mit meiner Frau den 50- Hochzeitstag begangen“, verriet die englische Schlagerlegende seinem Publikum. Doch wer Tony Christie auf der Bühne erlebte, hatte keineswegs den Eindruck eines singenden Seniors. Im Gegenteil. „Walk like a Panther, fly like an eagle“ – schreite wie ein Panther, flieg’ wie ein Adler und, möchte man dazufügen, singe wie ein junger Mann – so erlebte die Stadthalle Tony Christie.
Bekanntlich tun sich gerade die Norddeutschen schwer damit, ihre Begeisterung merken zu lassen, besonders dann, wenn sie ihrem Star seit den 70er Jahren treu geblieben sind. Aber ein Abstecher nach „Las Vegas“ mit Tony Christie, verbunden mit der Bitte, nicht nach Reno zu gehen – und schwupp, fielen im Publikum die Jahre von den Schultern, die Haare wurden wieder lang, die Hüften geschmeidig und schon wurde mitgewippt, geklatscht und anerkennend gepfiffen, fast wie damals in Ilja Richters Disco.
Dieses Lied sei ihm angeboten worden, aber noch bevor er dem Autor seine Version vorstellen konnte, hätten schon die Drifters, denen das Lied auch angeboten wurde, daraus einen Hit gemacht, erzählte Tony Christie über „Like sister and brother“. „But I like my version best – meine Version finde ich am besten”, meinte er verschmitzt. In „Avenues and Alleyways“ geht es ein wenig um das Überleben im Großstadtdschungel „in dem nur die starken und schnellen überleben können“. Das Lied war in England besonders als Titelthema der Serie „The Protectors“ bekannt, die in den 70er Jahren populär war.
Auch guten Rat für die Jüngeren hatte Tony Christie im Gepäck. „Shop around“, frei übersetzt etwa „Schau‘ dich um“, bevor du dich fest bindest, war sein Rat, den bereits Smokey Robinsons Mutter ihrem Sohn gegeben hatte.
Mehr als vierzig Jahre steht Tony Christie auf der Bühne, sein Repertoire ist entsprechend umfangreich, auch wenn die Arrangements immer mal wieder dem musikalischen Zeitgeschmack angepasst wurden. „Ich bereite mich sehr bewusst auf meine Konzerte vor, denn ich weiß, was meine deutschen Fans von mir erwarten“, verriet der Künstler im Vorfeld. Das bedeutete auch, dass seine großen Hits in Deutschland, wie „I did what I did for Maria“ wieder dabei war, ebenso wie „Now ist he time“ und „Moonlight and Roses“.
Wie verzweifelt man lieben kann, ließ Christie seine Fans in „Damned“ wissen. „I’m damned because I love you, and I know that I can’t have you…” Ich bin verdammt, weil ich dich liebe, doch ich weiß, dass ich dich nicht haben kann. So eine verzweifelte Liebe kann dann schon mal zur Trennung führen, ein Wort gibt das andere, und die Liebste zieht Konsequenzen und geht. „Have you seen the most wonderful girl in the world?” Hast du das schönste Mädchen der Welt gesehen? Wenn ja, sag‘ ihr, dass ich sie liebe…
Schmuse- und Herzschmerzsongs der siebziger Jahre, mit Schwung in das neue Jahrtausend übertragen.
Unterstützt wurde Tony Christie dabei von seiner bewähren Band. Am Keyboard war Matt Steele verantwortlich, Brian Corbit spielte Trompete, Boysey das Saxophon. Richard Hammond steuerte den Bass bei, und Dave Day zeigte an der Gitarre sein Können, während Elliot Henshaw an den Drums für den nötigen Beat sorgte.
Doch eine Frage ließ das Publikum nicht los. Da fehlte doch noch etwas? Klar. „Is this the way to Amarillo“, fragte Tony Christie endlich. Das Klatschen und Pfeifen wurde rhythmisch, “Zugabe, Zugabe!” forderten die Fans in der Stadthalle, und obwohl „Amarillo“ schon als Zugabe gespielt wurde, ließ sich Christie nicht lange bitten. „Sweet September“ hatten sich die Fans gewünscht. „Write it down – I’ll be back in November” – gleich notieren – im November komme ich wieder“, versprach Christie.
Auf seiner Tour besucht Christie noch elf weitere Städte in Deutschland, sie endet am 23. Januar in Leipzig.

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