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Musikalisches Zwiegespräch

Ann Doka spielte in St. Marien
Von Christa Neckermann

Osterholz-Scharmbeck. Zum Neujahrskonzert der anderen Art lud die deutsche Sängerin Ann Doka, die ihre Pop-Songs am liebsten selbst schreibt, in die St. Marien Kirche nach Osterholz-Scharmbeck ein.
Ann Doka, in 2018 zum wiederholten Mal beim Deutschen Rock- & Pop-Preis in den Kategorien „Beste Countrysängerin“ und „Beste Pop-Sängerin“ ausgezeichnet, bewies in der voll besetzten Kirche, warum diese Auszeichnungen wohlverdient waren.
„In meinem neuen Album „Lost but found“ erzähle ich Geschichten von Trennung, Loslassen und wieder finden, von Verlust und Chance“, gab die Sängerin ihrem Publikum mit auf den Weg durch das Programm. Damit dies ein wenig besser verständlich wurde, hatte sie sich gemeinsam mit Regina Mudrich, die im Konzert sonst für die sanften Geigentöne verantwortlich zeichnete, die Mühe gemacht, einige ihrer Texte wieder ins Deutsche zu übersetzen und quasi als Lesung dem Publikum einen Einblick in ihr Seelenleben zu ermöglichen. „Ein Schatten hat mich mein ganzes Leben lang verfolgt, ich habe meine Chance genutzt und ein neues Kapitel aufgeschlagen…“ heißt es in „Lost but found“ zum Beispiel. Die eingängige Melodie wie auch die Stimme der Sängerin verlieh dem Lied eine besondere Authentizität.
Mit ihren Bandmitgliedern Regina Mudrich (Geige), Martin Zemke (Bass), Tjark Cassens (Percussion) und Martin Olding (Gitarre und Background) gelang es Ann Doka leicht, ihr Publikum in den Bann zu schlagen.
Wer kennt nicht das Gefühl, das einen beschleicht, wenn man nach einer erst kürzlich erfolgten Trennung an der Bar vorbei geht, in der man so oft gemeinsam gesessen hat, oder sich an einem schönen Frühlingstag daran zu erinnern, wie es ein Jahr zuvor mit einem geliebten Menschen war? All diese leichte, bitter-süße Melancholie fand sich in Ann Dokas Liedern wieder und machte das ganze Konzert zu einem persönlichen Gespräch zwischen der Künstlerin und ihrem Publikum.
Ann Doka lebt jetzt seit zwei Jahren in Bremen, nachdem sie aus dem Rhein-Main-Gebiet an die ruhigere Weser gezogen ist. Hier schreibt sie nun ihre aus dem eigenen Leben inspirierten Lieder, nachdem sie zuvor auch gern mal Songs mit ihrem amerikanischen Songwriter-Kollegen Brooks West erarbeitet hatte. „Aus dieser Zusammenarbeit in Nashville, Tennessee, habe ich viel gelernt und mitgenommen, das fließt nun alles in meine Lieder ein“, verriet die Sängerin.
Ob „Flyin‘ blind“, „Dirty birds“ oder „Over you” – schon bald hatte sich zwischen Band und Publikum ein Verhältnis entwickelt, so, wie es etwa entsteht, wenn eine Freundin der anderen von ihrem Liebeskummer berichtet. Trotz schneller Beats blieb die Story erhalten. Auch wenn der Herzschlag sich erhöhte, blieb der Herzschmerz präsent.
Wie eng das Verhältnis zwischen Künstlern und Publikum tatsächlich geworden war, zeigte sich in der Pause. Nach dem „Boom Clap“ zogen die Bandmitglieder samt Sängerin an die im Vorraum aufgebaute Bar – und spielten hier einfach weiter.
Nach der – eigentlich nicht stattgefundenen – Pause wurde es philosophisch. In „Runnin‘“ beschreibt Ann Doka die bekannte Situation, sich selbst das Leben damit schwerzumachen, vor seinen Problemen davonzulaufen, anstatt sie anzugehen. Mit „Litte Miss Sunshine“ stellte Ann Doka ein Lied vor, mit der sie Menschen, die an Mukoviszidose erkrankt sind, unterstützt.
Nach dem berührenden Konzert, das das Publikum oftmals zum Mitklatschen und Mittanzen brachte, viel allen die Trennung schwer. Erst als „Leaving on a jet plane“ von John Denver erklang ließ sich das Publikum davon überzeugen, dass nun wirklich Schluss war. Viele Zuhörer ließen es sich nicht nehmen, sich von den Künstlern persönlich zu verabschieden und für den gelungenen Abend zu bedanken.
Wer Lust auf mehr von Ann Doka bekommen hat, kann die Künstlerin am Sonntag, 6. Januar in der Dreifaltigkeitskirche in Oldenburg, und am Donnerstag, 24. Januar bei Golf & Kultur in Achim erleben.

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