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„Selbstzweifel schränken beim Träumen ein“

Neuntklässler des Lernhauses im Campus mit dem Lutz-Bischoff-Preis ausgezeichnet
Von Christa Neckermann

Ritterhude. Alljährlich vergeben die Ritterhuder Lions am oder um den 18. Dezember den Lutz-Bischoff-Preis an Jugendliche, mit dem ehrenamtlich herausragende Leistungen und Verdienste für die Allgemeinheit im sozialen und gesellschaftlichen Bereich gewürdigt werden. In diesem Jahr ging der Preis, der nach einem engagierten, doch viel zu früh verstorbenen Lions-Mitglied benannt ist, an eine Gruppe Schülerinnen und Schüler der Klasse 9.1 der Oberschule im Lernhaus im Campus.
„Der Preis in Höhe von 1000 Euro soll ein Ansporn auch für andere sein, eine ähnliche Aktion wie die eure zu starten und sich für andere einzusetzen“, sagte Lions-Präsident Wilfried Guttmann in seiner Begrüßungsrede. „Erzählt auch anderen davon und ermutigt sie, sich ebenfalls in der örtlichen Jugendarbeit und in der kulturellen Entwicklung Ritterhudes und im Landkreis zu engagieren.“
Nach allgemeinem Unmut darüber, dass nach Meinung der jungen Leute im Landkreis auf der Unterhaltungsseite zu wenig für Jugendliche getan werde, machten sich die Jugendlichen der 9.1 daran, dem abzuhelfen. Nach einiger Überlegung wurde die Idee geboren, ein Open-Air-Kinoevent zu starten, bei dem nicht nur Jugendliche, sondern auch alle anderen Gäste auf ihre Kosten kommen würden. Unterstützt wurden sie dabei von Martina de Wolff als Projektleiterin, Nicola Illing als Osterholz-Scharmbecks Innenstadtmanagerin und Dr. Ulrike Baumheier vom Lernhaus im Campus. Eine ganz wichtige Unterstützung steuerte auch Wolfgang Schrick vom Kino in Osterholz-Scharmbeck bei.
Als Filme wählten die Jugendlichen einmal „Wunder“, ein Filmdrama von Stephen Chbosky nach dem Buch von Raquel J. Palacio, bei dem es um den Fünftklässler August „Auggie“ Pullman geht, der unter dem Treacher-Collins-Syndrom, einer Gesichtsdeformation, leidet, und der nun erstmals eine öffentliche Schule besuchen soll. Der zweite Film „Jurassic World“ war der vierte Teil der „Jurassic Park“-Serie von Regisseur Steven Spielberg.
„Trotz Hammenacht und schlechtem Wetter habt ihr an beiden Tagen über 300 Besucher zu eurem Open-Air-Event zusammengebracht – das ist ein beachtlicher Erfolg“, lobte auch Bürgermeisterin Susanne Geils die jungen Preisträger. Sie legte den jungen Leuten ans Herz, nicht abzuwarten, bis irgendwer etwas gegen einen Missstand tut, sondern lieber selbst zu überlegen, was getan werden kann, um eine Situation zu verbessern. „So wie ihr es bei diesem Open-Air-Kinoevent schon getan habt: Etwas gemeinsam erleben, etwas gemeinsam erreichen und zu sehen, auf wieviel Interesse euer Projekt gestoßen ist. Über 300 Gäste, die alle nur gekommen seid, weil ihr viel Arbeit in dieses Projekt gesteckt habt. Wenn euch etwas nicht gefällt, meckert nicht, sondern tut etwas. Wenn ihr etwas nicht ändern könnt, müsst ihr es wenigstens versuchen. Und wenn ihr es versucht habt, die Situation aber nicht ändern konntet, dann könnt ihr euch aber immerhin sagen, dass ihr es wenigstens versucht habt. Wenn nicht ihr, wer dann?“
Anjana Becker und Adrian Rexhaj hoben stellvertretend für ihre Klassenkameraden in ihrer Rede hervor, dass es einige Sachen gibt, die sie nicht verstehen, und auch nicht verstehen wollen. Hass, zum Beispiel, oder Mobbing, und Menschen, die ihre Träume aufgeben und nichts mehr tun, um dies zu ändern. „Verschwendet eure wertvolle Zeit nicht durch Warten. Vergesst nicht, wer ihr seid. Viele Menschen mit einem Ziel werden ausgelacht. Warum? Aus Neid, weil den Lachern nicht selbst so etwas Geniales eingefallen ist. So etwas nennt man Selbstzweifel. Das schränkt das Träumen ein“, erkannten die jungen Projektmacher philosophisch.
Die jungen Preisträger möchten nun ihr Preisgeld zur Verwirklichung eines neuen Open-Air Kinoevents im nächsten Jahr nutzen, haben sie versprochen.

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