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Vom Geburtenzuwachs bei den Rampensäuen

Jahrgang „Viva“ stellte Bühnenprogramm vor
Von Christa Neckermann

Buschhausen. Die Rampensau ist eine ganz besondere Gattung. Sie stellt sich gern in den Mittelpunkt und lässt sich bewundern. Fast alle Mittel sind ihr recht, um die Aufmerksamkeit ihrer Mitmenschen auf sich zu ziehen. Im Gegensatz zu anderen Spezies erfährt die Rampensau durch Anfütterung auf social Media-Kanälen wie YouTube und Instagram virtuelle Streicheleinheiten, auch „Likes“ genannt, gerade einen boomenden Geburtenzuwachs. Diesen spannenden „Geburtsvorbereitungsprozess“ hatten sich die Schülerinnen und Schüler der IGS Buschhausen in ihrem Bühnenprogramm zum Thema genommen. Regelmäßig sind die Schülerinnen und Schüler der IGS aufgerufen, ein Programm auf die Beine zu stellen und anschließend ihren Schulkameraden und Gästen vorzustellen. Dazu zogen sich die Siebtklässler des Jahrgangs „Viva“ im Dezember eine Woche nach Verden zurück, überlegten sich ihr Thema und erarbeiteten dann gemeinsam die dazu passenden Performances. Herausgekommen ist dabei „VivaTube“, die IGS-interne, jetzt öffentlich gemachte Unterhaltungsplattform für den kurzzeitigen Gebrauch am Mittwochabend.
„Da war bei manchem schon ein Gutteil Überwindung nötig“, berichtete Anke Schnibbe, Jahrgangsleiterin der „Vivas“. Besonders Arthur verdient hier Bewunderung, der in Stöckelstiefelchen und Minirock eine Schminksession über sich ergehen lassen musste. „Da hat sich kein anderer junger Mann rangetraut“, verriet die Lehrerin.
Während es den Mädchen oft leichter zu fallen scheint, sich auf die Bühne zu stellen und ihr Können zu präsentieren, haben es die gleichaltrigen Jungs da manchmal schwerer.
Nicht so jedoch Ilja, der als omnipräsenter Moderator auf Bühne und Leinwand zu sehen war. Und auch Alex, Dustin, Eric, Leon, Mads und Thorben überzeugten durch ihre großartige Tanzperformance.
„VivaTube“ beleuchtete dabei nicht nur den Werdegang junger Rampenferkel zu ausgewachsenen Rampensäuen, sondern auch die Kommerzialisierung künstlerischer Arbeit. Ohne Werbung keine Kohle, ohne Kohle keine Kunst. Angesagt ist, wer die meisten Likes bekommt und die meisten Abonnenten akquirieren kann, damit Produkte wie eklige Getränke an den Mann oder die Frau gebracht werden können. Dabei vergaßen die Jugendlichen auch nicht den kleinen Seitenhieb auf ethnische Vorurteile, indem sie Saman und Esed in ihren Rollen als „Turk Rapper“ breitestes „Türk-Deutsch“ sprechen ließen, obwohl beide des schönsten Hochdeutschs mächtig sind.
Doch im Gegensatz zu den echten social Media-Kanälen wurden die Kids von VivaTube nicht von den Erwachsenen allein gelassen. Auch die beteiligten Lehrer hatten viel Spaß an ihrem Part der Jahrgangsaufgabe. Altersentsprechend traten sie als „Oldies“ auf (Modern Talking ließ grüßen) und sorgten mit Glitter und Perücke für Lacher.
Kein Musikkanal kann im Internet ohne fetzige Musik überleben, und so hatten die „Vivas“ auch eine super-fetzige Band auf die Bühne gebracht, die mit E-Gitarren, Schlagzeug und Keyboards die Mehrzweckhalle der IGS rockten. Nur schade, dass das Mischpult (noch) nicht die zarten Stimmchen der Sängerinnen entsprechend einsteuern konnte, sonst wären die Vivas zu echten Konkurrenten der legendären Afterburner avanciert. Aber auch so hatte das Publikum in der randvoll gefüllten Mehrzweckhalle viel Spaß an diesem neuen, nur kurze Zeit zur Verfügung stehenden Musikkanal, soviel Spaß wie die jungen Rampenferkelchen, die auf einen erfolgreichen Abend zurückschauen dürfen.

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