+49 4791 - 14 90 71
info@wort-perfekt.de

Zu Gast im kalten Deutschland

72 Austauschschüler aus 18 Nationen feiern Weihnachten
Von Christa Neckermann

Osterholz-Scharmbeck. In der Zweigstelle der Berufsbildenden Schulen in Osterholz-Scharmbeck duftete es warm nach Keksen. Aus einem anderen Raum klangen Weihnachtslieder und Gelächter, in einem Werkraum waren fleißige Helfer dabei, den Fußboden von Strohresten zu befreien – hier wurden Insektennisthöhlen gebaut. Und gemeinsam mit Jens Welsch hatte eine andere Gruppe bunte Kacheln mit ganz individuellen Fischen gestaltet, die sich zu einem bunten, fröhlichen Gesamtkunstwerk vereinigten.
Oben in der Aula waren Tische weihnachtlich gedeckt. Überall wuselten junge Leute herum, sie lachten viel, die Stimmung war prima.
„Jugendaustausch ist der Schlüssel zur Verständigung“, sagte Carl-Ludwig Dörwald, Governor des Rotary Clubs Worpswede und Gastgeber der Weihnachtsfeier für die 72 jungen Menschen, die mit Hilfe der Rotarier aus Argentinien, Australien, Brasilien, Chile, Ecuador, Finnland, Indien, Japan, Kanada, Kolumbien, Korea, Mexiko, Neuseeland, Paraguay, Taiwan, Thailand und den Vereinigten Staaten nach Deutschland gekommen sind. Sie wollen hier die deutsche Sprache erlernen und, vor allen Dingen, Land und Leute kennen lernen. „Deutschland ist sehr beliebt als Austauschland“, weiß auch Frank Garrelts, der für die Öffentlichkeitsarbeit im Rotary Distrikt 1850 und Rotary Club Worpswede zuständig ist.
Besonderen Wert legen die Rotarier darauf, dass die Chance, mit den Rotariern ins Ausland zu gehen, Jugendlichen aus allen Einkommensschichten offensteht. „Die Eltern müssen selbst nicht Rotarier sein, um über unsere Organisation Kinder ins Ausland zu schicken. Einzige Bedingung ist, dass Familien, die ihr Kind mit uns ins Ausland schicken, sich dazu bereit erklären, selbst ein Gastkind aufzunehmen“, erläuterte Carl-Ludwig Dörwald.
Der oder die Jugendliche, die dann nach Deutschland kommt, ist nicht unbedingt aus dem Land, in dem das eigene Kind war, erläuterte Tim Christopher, der selbst mit den Rotariern im Ausland war und jetzt als „Rotract“ nicht nur die Austauschschüler, sondern auch das Projekt Shelterbox – zu Deutsch etwa „Obdach-Kiste“ betreut. Für dieses Projekt verkaufen die Austauschschüler derzeit Kalender und werben so Gelder für dieses Hilfsprojekt ein, das in Katastrophengebieten Boxen mit einem Zelt, das für bis zu zehn Personen ausreicht und mit Decken, Kochgeräten und sogar einem Rucksack mit Schulsachen für ein Kind ausgerüstet ist.
Und wie ist es denn nun so für die jungen Leute in Deutschland, die zumeist aus den wärmeren Gegenden dieser Welt stammen?
Alexandra Ruz Bavocio kommt aus Mexiko, Daniel Rossilho Florim aus Brasilien, David Santiago Forero aus Kolumbien und Natalia Paredes Vela ist aus Ecuador angereist. Kalt sei es hier– kälter, zumindest, als zuhause. Aber die Gastfamilien seien durchweg nett, und auch das Essen sei gut. Neue Lieblingsgerichte haben sie alle. Currywurst mit Brot, Schnitzel, Frikadellen mit Kartoffeln, Apfelmus, und jetzt, in der Weihnachtszeit, Schmalzkuchen vom Weihnachtsmarkt.
Ach ja, Weihnachtsmarkt – da war doch noch etwas? Richtig! Die Rotarier hatten extra einen vorweihnachtlichen Besuch des Weihnachtsmannes organisiert. Und dieser war gut unterrichtet. Es hatten ihm wohl seine Elfen zugetragen, dass nicht alle Austauschschüler immer mustergültiges Verhalten an den Tag legten. Secol aus Mexiko mache als Gruppenclown auf sich aufmerksam, Raimundo könne zwar die Zeit ablesen, käme aber trotzdem immer zu spät und Camilla aus Brasilien sei immer an allem interessiert und sehr engagiert…
Unter dem Gelächter der Jugendlichen verteilte der alte Mann vom Nordpol ein paar Rutenstreiche an diese, und ein paar Geschenke an jene, bevor es dann mit gemeinsam eingeübten und gesungenen Weihnachtsliedern ein wenig deutsch-besinnlich wurde.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.