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Abschied vom Herrenhaus

Elke Sievers verlässt nach 45 Jahren die Bildungsstätte Bredbeck
Von Christa Neckermann

Osterholz-Scharmbeck. Seit 35 Jahren ist Elke Sievers der gute Geist in der Bildungsstätte Bredbeck. So sieht sie sich selbst zwar nicht, doch ihre Freude am Umgang mit ihren Mitmenschen, egal, welchen Alters, führen dazu, dass sich Kollegen, Vorgesetzte und Gäste immer gut unterstützt und betreut fühlen.
So auch während des Gesprächs mit dem Kreisblatt. Da wird noch mal schnell der Hausmeister daran erinnert, dass in einem Zimmer noch eine Kleinigkeit zu richten ist – Multitasking, eben.
Elke Sievers, ausgebildete Rechtsanwalts- und Notariatsgehilfin, kam 1983 von einer Tätigkeit bei den Berufsbildenden Schulen nach Bredbeck, weil sie eine Halbtagsstelle suchte, um ihre inzwischen geborene Tochter besser betreuen zu können. „Die Position, die ich damals besetzte, hieß „Schreibkraft“. Ich war für den Buchungsservice und Dienst an der Rezeption eingestellt“, erinnert sie sich.
Bredbeck hat eine lange Geschichte, die bis in das Jahr 1534 zurück geht. 1850 erwarb der Tuchfabrikant und Kommerzienrat Martin Schmand aus Scharmbeck den Besitz und errichtete das Herrenhaus, das heute als „Haupthaus“ bekannt ist. Nach einigen Besitzerwechseln diente das Herrenhaus und der weitläufige Park der Industriellenfamilie Borgward bis 1940 als Sommersitz. Ab dann übernahm der „Reichsfiskus Luftfahrt“ des Deutschen Reiches die Ländereien, aus dem Herrenhaus sollte ein Offizierskasino werden, doch diese Pläne zerschlugen sich. 1942 übernahm die Landesversicherungsanstalt Oldenburg das Herrenhaus mit dem umliegenden Park und eröffnete hier eine Lungenheilanstalt für Frauen. Es heißt, dass viele der Patientinnen nach ihrer Genesung in der Region blieben und sich hier verheirateten.
1971 erwarb der Landkreis Osterholz das Herrenhaus mit dem Park und gründete 1976 hier eine Jugendbildungsstätte. „Ab Anfang der achtziger Jahre hatte Ernst Hennenberg die Leitung, unser Büro war modern mit einer IBM Kugelkopf-Schreibmaschine ausgestattet“, weiß Elke Sievers noch ganz genau. Später wurde dann eine Schreibmaschine mit Textspeicher angeschafft – „die war fast schon wie ein kleiner Computer!“ In die moderne Technik wuchs Elke Sievers ganz selbstverständlich mit hinein. „1993 bekamen wir einen ersten Computer. Ich machte bei der VHS einen Computerkurs, um mit den neuen Geräten auch umgehen zu können. Dann installierte ein junger Zivildienstleistender aus Jux ein Computerspiel auf unserer Anlage – ich glaube sogar, es war dieses Moorhuhn – und anschließend war der Computer blockiert. Das Spiel verbrauchte einfach zu viel Speicherplatz!“
Doch im Großen und Ganzen verlief die Zusammenarbeit mit den jungen Leuten immer positiv. „Wir haben viele junge Leute, die im Rahmen des Bundesfreiwilligendienstes und „Weltwärts – Hope for Life“ nach Bredbeck kommen. Sie treffen hier auf unsere Gäste aus der ganzen Welt, beispielsweise aus unserem Partnerlandkreis Kwidzyn in Polen, aber auch aus der Ukraine und Israel. Auch die „Freunde der Querflöte“ mit Hauptsitz in Hamburg gehören dazu; sie kommen schon seit bald dreißig Jahren zu uns nach Bredbeck. Es ist immer wie ein Familientreffen – man freut sich einfach, sich nach einer gewissen Zeit wieder zu sehen“, verriet Elke Sievers schmunzelnd.
Und während sie sich zurückerinnert, fällt Elke Sievers die Geschichte mit dem Regenschirm ein. „Wir halten immer ein paar Regenschirme für unsere Gäste bereit. Das Wetter hier kann ja zuweilen ganz unbeständig sein. Bei einer solchen Gelegenheit hatte eine Teilnehmerin aus der Ukraine den ausgeliehenen Regenschirm versehentlich mitgenommen. Als dann nach Monaten eine neue Gruppe aus der Ukraine nach Bredbeck kam, hatten die Mitglieder den verirrten Regenschirm wieder im Gepäck!“
Für Elke Sievers beginnt nun langsam der Countdown in den Ruhestand. Dafür haben die Kollegen eigens ein kleines Schild angefertigt, auf dem genau abzulesen ist, in wieviel Tagen es ohne Elke Sievers gehen muss. Ihre Nachfolgerin, Karin Wagner, übernimmt dann die Regie im Büro der Bildungsstätte und nutzt bis dahin die Gelegenheit, soviel Informationen wie möglich von der alten Häsin aufzunehmen.
„Es war eine großartige Zeit hier, die mir viel Freude gemacht hat“, sagt Elke Sievers zum Abschied.

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